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Lebendige Kirche leben und erleben

Persönliche Worte von Pfarrer Hans M. Tontsch veröffentlicht in der Zeitschrift Reformiert. vom Juli 2026.

Lebendige Kirche leben und erleben: Ich denke nicht, dass ich das Ei des Kolumbus entdeckt habe. Aber ich lade ein über ein paar Gedanken nachzudenken, mit anderen Menschen zu diskutieren und zum Reflektieren. In den zwei Worten steckt eigentlich das christliche Geheimnis, welches die Christenheit schon seit über 2000 Jahren immer wieder anpeilt. Dazu wurden und werden immer wieder neue Wege angeboten, Methoden und Strategien entwickelt – bis in unsere Tage hinein. Was aber dabei entsteht, sind meistens künstliche Blasen, in denen eine gewisse Form christlicher Gemeinschaft gepflegt wird. Dabei wird dann sehr viel Energie investiert, um diese Blase entweder im Ursprungszustand zu erhalten oder man investiert Energie in die Weiterentwicklung.

Zurück zu den zwei Worten: Lebendige Kirche. Was bedeutet lebendig? Und welche Bedeutung messen wir dem Wort Kirche bei? Beides kann und wird kontrovers gedacht, diskutiert und in die Praxis umgesetzt. Mit Worten von Jesus und Worten aus der Bibel kann es nicht erklärt werden. Aber Menschen zu verschiedenen Zeiten, mit verschiedenen Erfahrungen und verschiedenen Traditionen versuchen aus ihrer Optik mit ihren Prägungen- und da spielt auch die persönliche, seelische Konstitution, eine Rolle – aus den biblischen Texten die Fundamente einer lebendigen Kirche abzuleiten. Welche Rolle spielt dabei ein persönlicher Wunsch, eine persönliche Sehnsucht und ein persönliches Bedürfnis? Und all das beeinflusst das Bild einer lebendigen Kirche. Erhebt man aber den Anspruch, das ultimative «Rezept» gefunden zu haben, legt man damit das Fundament einer neuen christlichen Gemeinschaft und es entsteht eine weitere Blase.

Versucht man in aller Bescheidenheit und Offenheit sich mit den Inhalten dieser zwei Worten auseinanderzusetzen, kommt man dem Geheimnis einer lebendigen Kirche etwas näher. Dazu helfen ganz einfache Frage. Wann fühlen Sie sich in ihrem Alltag so richtig lebendig? Und wenn wir das jetzt mit der Kirche verknüpfen: was bräuchte es, damit diese Lebendigkeit in der Kirche oder besser gesagt als Kirche erfahrbar gemacht wird?

Als nächster Schritt wäre sehr hilfreich darüber nachzudenken, zu diskutieren und zu reflektieren, was Kirche ist. Ist es die Versammlung am Sonntagmorgen in den vertrauten alten oder neueren vier Wänden, wo vertraute, bekannte und weniger bekannte, alte oder neue und noch neuere Lieder gesungen werden? Wo Gebete, ob vorformuliert oder freie auf die unterschiedlichsten Arten gesprochen und in der Stille mitgebetet werden? Versuchen wir dann unsere Sicht theologisch zu untermauern,

bauen wir Mauern um uns auf, die einerseits uns vor allen anderen Einflüssen, Ansichten und Gedanken schützen sollen und andererseits uns den erträumten Intimraum bieten soll, den wir für unsere Glaubensform als richtig empfinden. Wie würde die Christenheit mit ihren vielfältigen Formen gelebter christlicher Hoffnung, aussehen- ohne all die geistigen Mauern? Würde sich dadurch ein Raum für eine lebendige Kirche öffnen?

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